Nach der Karriere als aktive Fussballerin ist für viele Spielerinnen Schluss mit dem Fussball. Doch das muss nicht so sein: Christa Meyer, Tatjana Hänni und Barbara Beffa blieben dem Frauenfussball erhalten, erstere als Trainerin, die beiden letzten als Funktionärinnen. Und sie bereuen ihren Schritt keineswegs. Ein Portrait.
Die Trainerin
Christa Meyer steht an der Seitenlinie und coacht das NLA-Team des FFC Bern. Sie ist eine eher ruhige Trainerin, keine die in ihrer Coachingzone explodiert. Und Meyer ist überaus erfolgreich. Gleich in ihrer ersten Saison als NLA-Trainerin fand Bern den Weg zurück zur Spitze. Und dabei hatte sie sich den Job am Anfang gar nicht zugetraut. "Die U18 zu trainieren war ja das eine, aber für den Posten als NLA-Trainerin musste man mich schon überzeugen", blickt sie schmunzelnd zurück. Meyer begann schon kurz nach ihrem Rücktritt mit ihrer zweiten Karriere als Trainerin. "Ich habe in meiner Karriere als Aktive gemerkt, wie viele gute Trainer fehlen im Frauenfussball. Zudem konnte ich viel profitieren und wollte nun etwas zurückgeben."
"Es macht grossen Spass"
Und bereut hat sie ihren Schritt nie. "Es macht richtig Spass mit den Frauen zu arbeiten, die Arbeit gibt einem sehr viel zurück." Und Meyer macht auch die Erfahrung, dass es ein Vorteil sein kann, früher selbst gespielt zu haben. "Externe Trainer brauchen erfahrungsgemäss ein halbes Jahr bis sie eingearbeitet sind. Ich dagegen bringe sicher schon ein Gefühl mit für gewisse Situationen."
Die Vereinspräsidentin
Auch Tatjana Hänni, heute Präsidentin des FFC Zürich Seebach und bei der FIFA verantwortlich für den Bereich Frauenfussball begann ihre zweite Karriere einst als Trainerin. Wobei das nicht ganz stimmt, denn schon während ihrer Aktivzeit arbeitete sie als Funktionärin bei der UEFA. "Die Tatsache, dass ich dank meiner Arbeit mit dem Frauenfussball verbunden blieb, hat mir das Aufhören sicher erleichtert", sagt Hänni. Denn der Fussball war damals ihre Welt. Und schon als Spielerin begann sie mit der Trainer-Ausbildung. Auch Hänni hatte sich oft über schlechte Trainer geärgert. Und doch merkte sie bald, dass das Traineramt nicht das Richtige ist für sie. "Ich bin zu wenig streng, zu wenig zielorientiert, ich bin keine gute Trainerin", sagt Hänni.
Viele verschiedene Aufgaben
Doch weil sie dem Verein dennoch erhalten bleiben wollte, engagierte sie sich als Funktionärin und wurde bei der Neugründung die erste Präsidentin des FFC Zürich Seebach. "Es braucht diese Leute hinter den Kulissen. Und wer soll das machen wenn nicht ich?", habe sie sich gesagt. Und ist nun ganz zufrieden damit. "Es macht Spass, vor allem weil wir auch mit der Vereingründung sehr gute Leute sind, die zusammen etwas erreichen wollen." Der Zeitaufwand sei zwar schon gross, doch die Aufgabe gibt auch etwas zurück. Deshalb empfiehlt sie allen Vereinen, ihre ehemaligen Spielerinnen weiter einzubinden. Dazu brauche es aber eine gewisse Anstrengung. "Frauen kommen nicht von alleine. Die musst du fragen, ihnen Mut machen und gut zusprechen." Das braucht eine grosse persönliche Betreuung, die sich aber auszahlt. "Heute gibt es ja eine vielzahl von Möglichkeiten rund ums Team, zum Beispiel auch als Physio, bei der Websitenbetreuung oder in der Öffentlichkeitsarbeit."
Die Verbands-Funktionärin
Einen anderen Weg hat Barbara Beffa gewählt. Nach ihrem Rücktritt wollte sie nichts mehr zu tun haben mit dem Fussball und ging auf Reisen ins Ausland. Nach ihrer Rückkehr gab sie zwar noch ein temporäres Comeback in der NLB, dann aber war definitiv Schluss. "Seither habe ich keinen Ball mehr am Fuss gehabt!" Dafür probierte sie andere Sportarten aus, begann Tennis zu spielen, zu Biken und ist oft mit Ski oder Snowboard unterwegs. Und doch leistet sie viel für den Frauenfussball. Über sieben Ecken wurde sie angefragt, ob sie nicht beim Fussballverband der Region Zürich die Verantwortung für den Bereich Frauenfussball übernehmen wolle. Ein Posten, der wie auf sie zugeschnitten ist. Ihr untersteht alles, was in Zürich mit Frauenfussball zu tun hat, mit Ausnahme der Ressorts Auswahlen und dem Spielbetrieb. Beffa organisiert aber Kurse, Weiterbildungen und ist ständig in Kontakt mit den verschiedenen Klubs.
Organisationstalent gefragt
Dazu gehört auch, dass sie Anlaufstelle ist, Sorgentelefon für die Klubvertreter. So hat sie fast täglich irgendwie mit Fussball zu tun. Und Beffa ist überzeugt von ihrer Aufgabe. "Hier kann ich im Frauenfussball viel bewegen. Im Spitzenfussball ist vieles schon da, doch hier geht es wirklich um grundsätzliches." So ist die Schulung der Frauenfussball-Trainer eine ihrer Hauptaufgaben. "Das ist eine geniale Aufgabe, mit diesen Trainern zu arbeiten, die noch sehr wenig wissen, die aber sehr dankbar sind über unsere Kurse." Und das Organisieren, das Wirken im Hintergrund kommt Beffa sehr gelegen. "Ich muss nicht mehr auf dem Platz Leistung zeigen, stehe nicht mehr unter Druck, sondern kann eher politisch tätig sein." Deshalb sieht man sie auch selten am Spielfeldrand, "das brauche ich einfach nicht mehr.
Mehr Frauen gefragt
Auch Beffa wünscht sich aber mehr ehemalige Spielerinnen als Trainerinnen. "Hier können Frauen viel bewegen, vor allem wenn man sie mit den männlichen Trainern in den unteren Ligen vergleicht. Die wissen manchmal nicht einmal, was ein Corner ist..." Und ist damit einer Meinung mit Christa Meyer, die an alle zurücktretenden Spielerinnen apelliert: "Traut euch etwas zu, habt den Mut, es lohnt sich. Denn wir Frauen wissen selbst am Besten wo es an was fehlt!" (rg)